1st scientific session
Perzeptuelles
Lernen und Plastizität des visuellen Cortex bei Erwachsenen
Perceptual Learning and Plasticity of Visual Cortex in Adults
Manfred Fahle (D-Bremen)
Bereits
eine neue Brille kann den Seheindruck massiv verändern, insbesondere
wenn Zylinderlinsen in schrägen Orientierungen involviert sind. Um
ein Vierfaches eingreifender sind Netzhautoperationen und werden in der
Zukunft (hoffentlich) Implantate sein. Der visuelle Cortex muss nach solchen
Eingriffen versuchen, mit massiv veränderten Eingangssignalen zurecht
zu kommen. Dem steht gegenüber, dass der visuelle Cortex bei Erwachsenen
seine Plastizität weitgehend eingebüßt hat - und insofern
eine Behandlung der Amblyopie bei Erwachsenen als nicht erfolgversprechend
gilt oder zumindest in der Vergangenheit galt.
Glücklicherweise haben die Untersuchungen zum perzeptuellen Lernen
in den letzten Jahren gezeigt, dass der visuelle Cortex auch bei Erwachsenen
noch eine erhebliche Plastizität aufweist. Durch gezieltes Training
können Wahrnehmungsschwellen selbst für sehr einfache Aufgaben
innerhalb kurzer Zeit wesentlich verbessert werden. Allerdings ist die
erreichte Verbesserung sehr spezifisch: Für den exakten Reiz, der
während des Trainings verwendet wurde, für seine Orientierung,
seine Position im Gesichtsfeld und sogar für das verwendete Auge
(bei monokularem Training). Die Geschwindigkeit des Lernens hängt
davon ab, ob der Reiz ausreichend beachtet wird (visuelle Aufmerksamkeit)
und welche Art von Fehlerrückmeldung (Feedback) der Proband erhält.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Analyse visueller Information
im visuellen Cortex durch rückgekoppelte neuronale Netzwerke erfolgt,
die auch bei Erwachsenen noch die Fähigkeit zu wesentlicher Umorganisation
besitzen (mit entsprechenden Veränderungen nicht nur der psychophysischen
Wahrnehmungsschwellen, sondern auch von elektrophysiologischen Befunden).
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